8. Februar 2023

Spieltage 4 und 5 in der Oberliga Ost 2022/2023. Die Fahrt führt uns diesmal nach Wiesbaden, genauer: nach Wiesbaden-Biebrich in das Jeanne-Schütz-Haus, das Spiellokal des Wiesbadener Schachvereins. Erzählungen zufolge hat einst ein Mäzen das große Gebäude einschließlich angrenzender Gastronomie in bester Lage direkt am Biebricher Schlosspark dem Schachverein vermacht. Davon träumt man… Es gibt Getränke, Kaffee und Kuchen, meine Frage nach Bezahlung wird mit einem freundlichen Kopfschütteln beantwortet. Herzlichen Dank an dieser Stelle!

Wir spielen am Samstag gegen Wiesbaden, am Sonntag gegen Hofheim II. Eigentlich müssen wir beide Kämpfe gewinnen, um Aufstiegschancen zu behalten. Aber gerade gegen Wiesbaden gab es in den letzten Jahren mehrfach böse auf die Nase. Und kurzfristig müssen wir auch noch den Ausfall von Michael Wrede verkraften, der mit Grippe im Bett liegt. Um so schöner, dass unser Schweizaussiedler Peter Klings spontan seine Teilnahme zusagt…

Es wird ein Kampf auf Augenhöhe. Wiesbaden ist ebenfalls ersatzgeschwächt, es fehlen Brett 3 und 4, dafür ist GM Khenkin dabei. Er neutralisiert den damenindischen Aufbau von Vitaly Kunin an Brett 1 – ein schnelles Remis ist die Folge. Auch an Brett 2 gibt es zwischen GM Galdunts und IM Geske ein ziemlich schnelles Remis.

An den übrigen Brettern entwickelt sich ein harter Fight. Spieler und Spielerinnen (Wiesbaden bringt an Brett 5 und 8 zwei Damen ans Brett) gleichen die etwas kühle Raumtemperatur schnell durch Körperwärme aus. Es wird ein langer Tag… 

Leider müssen wir schnell eine Niederlage quittieren. Michael Schäfer lässt sich von einem zweifelhaft Aufbau seines Gegners zu einem aggressiven Bauernvorstoß verlocken, übersieht dabei aber eine giftige schwarze Angriffsidee, nach der er sofort in die Bauchlage kommt und bald darauf die Segel streichen muss.

15. …. Lf2! 16. Txf2 Sg3+! 17. Kg1 Txh2!! 18. Tf1 Dh4 19. Sf3 Sxe2 0-1

Auch Peter Dittmar steht gegen seinen starken Gegner unter Druck und allein Christian Böhmer kann zu diesem Zeitpunkt einen erkennbaren Vorteil vermelden, indem er seiner Gegnerin einen Bauern abnimmt und in ein gewinnverheißendes Turmendspiel einbiegt… welches er dann zum Remis versiebt. Und nachdem bei Peter Dittmar mittlerweile ein gedeckter Freibauer auf b7 eine Qualität und kurz darauf die Partie kostet, droht uns mal wieder eine Niederlage…

Ich schaffe dann den Anschlusstreffer. Dabei hilft Glück in der Stellung:  

Legde,G. – Bakiev,D. [E15]

Oberliga Ost B Wiesbaden-Mörlenbach, 26.11.2022: 

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 b6 4.g3 Lb4+ 5.Ld2 Le7 6.Lg2 c6 7.0-0 d5 8.Dc2 0-0 9.Lf4 La6 10.b3 Sbd7 11.Td1 Sh5 12.Ld2 Shf6 13.a4 Tc8 14.a5 c5 wer in die Datenbanken schaut wird sehen, dass es sich um eine wohlbekannte Theoriestellung auf Top-Niveau handelt. Nur dass ich bereits seit Lf4 nur noch vage Erinnerungen hatte… 15.ab6: Db6: 16. Da2 Lb7 17. La5 Da6 18.Sbd2 dxc4 19.Sxc4 cxd4 der überraschte mich. Ich hatte Ld5 erwartet und das Gefühl, dass die Stellung ziemlich ausgeglichen ist, was der PC bestätigt [19…Ld5 20.Db2 Db7=] 20.Db2! jetzt drohen hässliche Sachen wie Ld8 20…Lc5? [hier geht überraschend 20…Lxf3! 21.Ld8 Db5 22.Lxe7 Lxg2 23.Lxf8 Txc4=] 21.Lb6! 21…Db5 22.Sxd4 Lxd4 23.Lxd4 23…Lxg2

24.Sd6! Den hatte ich bei Lb6 nicht gesehen, aber was soll ich mich beschweren… 24…Dh5 die Dame hat kein Feld: Auf 24…Dc6 gewinnt 25. Sc8: Tc8: 26. Tc1) 25.Sxc8 25…Dh3 der geht gar nicht, aber es ist auch schon egal. 26.Se7+ Kh8 27.f3 Te8 28.Lxf6 Sxf6 29.Ta4 Txe7 30.Td8+ Te8 31.Txe8+ [schade! 31.Dxf6!! gxf6 32.Txe8+ Kg7 33.Tg4+ wäre sehr hübsch gewesen] 31…Sxe8 32.Th4 Df5 33.Kxg2 Sf6 34.Ta4 h5 35.h4 1-0

Bleiben Heiko und Peter. Heiko spielt trotz meiner mahnenden Worte erneut Caro-Cann. Das klappt allerdings diesmal besser als in Stadtilm und bringt ihm eine ordentliche Stellung. Das Remis ist wohl leistungsgerecht…

3:4 und alles hängt an unserem Schweizer. Der hat im Endspiel einen guten Springer gegen einen schlechten Läufer, aber es ist nur noch sehr wenig Holz auf dem Brett… doch ganz zum Schluss und mehr als 6 Stunden findet Peter einen Bauerndurchbruch und erzielt auf dem letzten Meter noch den Ausgleich. 

Endergebnis 4:4. Wir können uns nicht beschweren. Der Kölner sagt bei solchen Gelegenheiten: „Hätt noch immer jot jejange“.

Sonntag, 9:00. Wir sind alle wieder da bis auf Michael, der mal lieber aussetzt. An seiner Stelle spielt Steve Schiffer, was mich gleich optimistisch macht, weil Steve immer so optimistisch ist. Es geht gegen die zweite Mannschaft von Hofheim. Wir haben das Glück, dass Hofheim I zeitgleich einen Bundesligakampf austrägt und dadurch in der zweiten Mannschaft einige Ersatzleute spielen. Genauer gesagt: Es spielen einige alte Hofheimer Hasen ergänzt um eine kleine Armada jugendlicher Nachwuchskräfte. Wir haben an allen Brettern deutliche Elo-Vorteile, es spricht also alles dafür, dass es wieder knapp wird. 

Genauso kommt es auch, auch wenn Steve schnell vorlegt. Er zieht gegen seinen jungen Gegner einfach alle Bauern nach vorn und dann ist schnell Schluss (mehr weiß ich leider nicht). Aber anschließend wird es zäh. Peter Klings hat nach seiner Seeschlange von gestern verständlicherweise ein Bedürfnis nach Ruhe und einigt sich schnell auf Remis. Vitaly mit Schwarz bekommt von IM Eric Zude eine unangenehme Angriffsidee im Marozy-Sizilianisch vorgesetzt, nach der man sich eine Zeitlang Sorgen machen muss. Aber er neutralisiert die Drohungen und hat dann im Endspiel sogar noch Gewinnchancen, übersieht aber mit knapp werdender Zeit leider eine Gewinnidee. Sergey hat mit dem talentierten Jungendspieler Kevin Haack seine liebe Mühe und muss am Schluss in einem Springerendspiel seine gesamte Erfahrung aufwenden, um ein Remis zu sichern. Peter Dittmar steht ausgangs der Eröffnung optisch klar überlegen, muss aber gegen seine zäh verteidigende Gegnerin, die FIDE-Meisterin Alena Kushka, nach einer Abtauschserie ein ausgeglichenes Endspiel vermelden. 

Christian Böhmer spielt gegen Bertold Engel eine wüste Partie:
1.e4 e5 2.Sf3 d6 3.d3 Sf6 4.Le2 Le7 5.0-0 Sbd7 6.Sbd2 c6 7.c3 Dc7 8.Dc2 h6 9.Te1 (im Bullet würde Christian für diese Stellung ca 10 sec brauchen. Hier war schon ca. eine halbe Stunde weg…) 9…g5!? na ja… aber jetzt wird es turbulent 10.Sf1 Sf8 11.Se3 Sg6 12.d4 g4 13.Sd2 Le6 14.Sdf1?! 0-0-0 15.d5 Ld7 16.Sg3 h5 17.Lc4 c5? 18.a4 Sh7?! 19.Lb5 Sg5 20.Lxd7+ Dxd7 21.Sef5?! Sf4?! 22.Se2 Sg6 23.b4 cxb4 24.cxb4+ Kb8 die schwarze Stellung ist sehr verdächtig, aber Weiß fängt nun an, ziemlich ziellos mit seiner Dame zu cruisen

25.Dd3 h4 26.De3? Lf6 27.b5? h3 28.La3 hxg2 29.Kxg2 Sf3 30.Th1 Th3 31.Seg3 Lg5 32.Dc3 Sf4+ mittlerweile steht Schwarz laut PC klar auf Gewinn 33.Kf1 Le7?! Zeitnot! [33…Sxh2+ 34.Ke1 Sf3+ 35.Kd1 Txh1+ 36.Sxh1 Sxd5!-+] 34.Tc1 Txh2? (immer noch gewinnt Sh2+) 35.Txh2 Sxh2+ 36.Ke1 Sf3+ 37.Kd1 Sh3? [37…Lf8] 38.Sxe7 Dxe7 39.Sf5 jetzt steht Weiß klar auf Gewinn 39…Dd7 40.Ke2?? [40.Lxd6+ Ka8 41.Dc7+-] 40…Sf4+ 41.Ke3 Sg2+ 42.Ke2 Sf4+ remis. Was sonst, möchte man sagen. 

So bleibt es mir vorbehalten, den Sack zuzumachen. In einem Sizilianer gewinne ich einen Bauern, weil ich ausnahmsweise richtig gerechnet habe, dass ich den von Weiß geplanten Angriff mit einem Konter aushebeln kann. Danach gebe ich mir zwar noch Mühe, es mir selber schwer zu machen, aber da mein Gegner statt eine Barrikade zu errichten lieber noch einen Bauern einstellt wird es am Ende relativ leicht. 

Damit steht es 4,5 -2,5 und nur Heiko spielt noch. Als ich das letzte Mal geschaut habe hatte er 2 Bauern mehr und eine Gewinnstellung. Wie ich das nächste Mal schaue hat er immer noch zwei Bauern mehr, aber leider eine Figur weniger und eine Verluststellung ☹ Heiko verteidigt das dann noch bis zur letzten Patrone, um nach über 6 Stunden die Waffen zu strecken. Es ist ein wenig zum Verzweifeln, was Heiko gerade alles wegwirft. Hat man Scheiße am Fuß… 

Fazit: So wie das Wochenende lief kann man mit 3 Punkten zufrieden sein. Der Aufstieg ist allerdings ziemlich unrealistisch, was angesichts der Übermacht, die sich in Form der Mannschaft aus Wolfshagen in der Liga rumtreibt, aber auch nicht überrascht. In der nächsten Doppelrunde am 4. und 5. Februar 2023 spielen wir gegen Wolfshagen, dann können wir den Versuch unternehmen, der Übermannschaft ein Bein zu stellen. 

Georg Legde

Oberliga Ost B, Stand nach der 5. Runde
Platz /Mannschaft/ Spiele/ Mannschaftspunkte/ Brettpunkte
1 Bad Emstal/Wolfhagen 5 10 30
2 SK 1980 Gernsheim 5 9 22½
3 SK Marburg 1931/1972 5 8 24
4 FB Mörlenbach-Birkenau 5 8 23½
5 SC Heusenstamm 5 7 24
6 SK Bad Homburg 5 6 18
7 SV 1920 Hofheim II 5 4 19½
8 Wiesbadener SV 1885 5 3 18
9 SF Schöneck 5 2 15½
10 SG BW Stadtilm 5 1 16
11 SV Empor Erfurt 5 1 15½
12 SV Vimaria Weimar 5 1 13½

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