8. Dezember 2022

Spieltage 2 und 3 in der Oberliga Ost 2022/2023 und damit die Chance für unser Team, den mauen Saisonstart mit dem ärgerlichen 4:4 gegen Gernsheim vergessen zu machen. Spielort: Stadtilm, ein kleiner Ort im idyllischen Ilmtal. Sehr schöne Gegend zum Radwandern! Spielsaal: Das Rathaus, großer Saal. Ein repräsentativer Raum, nur leider für ein Schachturnier aufgrund seines alten Parkettboden eher mäßig geeignet („knarz, knarz, knarz…“). Unsere Gegner: Am Samstag die Mannschaft von Stadtilm, ein unangenehmer Gegner, gegen den wir letzte Saison (allerdings ersatzgeschwächt) nur mit Ach und Krach ein Unentschieden geschafft haben. Am Sonntag wartet auf uns dann der Aufsteiger aus Weimar.  

Samstag, 14:00 Uhr, Anpfiff und schon steht es 1:0 für uns. Sergey heimst einen kampflosen Punkt ein, sein Gegner liegt lieber auf Rhodos in der Sonne. Dafür die lange Fahrt…

16:30 Uhr: Christian Böhmer erhöht auf 2:0! In einem offenen Sizilianer packt er die taktische Keule aus: 

Böhmer, Christian – Schmidt, Daniel

1. e4 c5 2. Sf3 d6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 a6 6. h3 e5 7. Sde2 h5 8. g3 b5 9. Lg2 Lb7 10. Le3 Sbd7 11. a4 b4 12. Sd5 Sxd5 13. exd5 a5 14. c3 La6 15. cxb4 axb4 16. O-O g6 17. Te1 Lg7? (Le7 +=) 

18. Sd4! +- Dc7 19. Sc6 O-O 20. Sxb4 Tfb8 21. Tc1 Db7 22. Sc6 Dxb2 23. Sxb8 Qxb8 24. Dc2 Sf6 25. Tb1 De8 26. Dc6 Ld3 27. Tb3 e4 28. Dd6: Lc2 29. Tb2 La4: 30. Teb1 Sd7 31. Tb7 Le5 32. Db4 Lc2 33. Tc1 Tc8 34. Db5 Sf6 35. d6 Db5: 36. Tb5: Tc6 37. Te5 1-0   

Danach ist aber auch erst einmal Schluss mit der Herrlichkeit. Vitaly an eins arbeitet mit Schwarz gegen einen zäh klammernden Gegner an mikroskopischen Vorteilen, mein Gegner tauscht alles ab was im Weg rumsteht und an den übrigen Brettern wird es langsam aber sicher – na ja, sagen wir: undeutlich. Michael Wrede und sein Gegner an Brett 5 landen schnell in einem Endspiel mit verbarrikadierten Bauernketten – remis. Paulus an Brett 8 hat mit Weiß in einem Damengambit, in dem er lang rochiert, nach der Eröffnung Angriff, findet dann aber keine gute Fortsetzung und landet in einem Turmendspiel, das er nur mit Mühe remis hält. Peter Dittmar an Brett 4 steht nach der Eröffnung ebenfalls besser, aber die schwarze Stellung ist schwer zu knacken und beim Versuch, auf Gewinn zu spielen, fliegen auf einmal die schwarzen Figuren in seine Königsstellung ein: 

Schwarz hat zuletzt …Sh6 gespielt und droht Sg4, Lf2+

 mit Totschlag. Das sieht übel aus…. Aber Peter hat noch einem Trick auf Lager: 

Sd7!? (der PC möchte h3!! sehen: Dh3: a6 Sg4 a7 und Schwarz muss beginnend mit Dg3 Dauerschach geben) Sg4? (…Kf7!! gewinnt laut Stockfish, aber das ist nur was für Computer) Sf6+! gf6: Dd8+ und Dauerschach…. 

½ : ½ 

An Brett 6 kämpft Heiko derweil ebenfalls ums Überleben. Nach diversen schlechten Erfahrungen mit Sizilianisch versucht er sich diesmal an Caro-Cann, was allerdings außer hohem Zeitverbrauch im Wesentlichen eine Sch…stellung zur Folge hat. Zwischendurch stehen die weißen Läufer wirkungsvoll auf d8 und e8 und spalten das schwarze Lager wie weiland Moses das Meer… aber Weiß vergibt mehrere Gewinnzüge und am Schluss ist es Heiko, der aus der Position der Stärke remisiert. 

Damit steht es 4,5: 2,5 und alle denken schon an die Pizza und das Weizenbier. Nur: Vitaly hat andere Pläne… In einem Endspiel mit einem mikroskopischen Vorteil quält er seinen Gegner über 130 Züge. Und irgendwo so im 127. Zug ist dann im Endspiel Turm gegen Springer für eine Sekunde tatsächlich ein Gewinn möglich… den Vitaly dann in der Kürze der Zeit (pro Zug nur noch 30 Sekunden Bonus) aber nicht mehr findet. Und so wird es dann nach über 7 Stunden remis. Die Pizza hat dann trotzdem geschmeckt… 

Sonntag, 9:00 Uhr. Nach einer kurzen Nacht geht es gegen Weimar, die am Tag zuvor nur knapp gegen Gernsheim verloren haben – also ein erstzunehmender Gegner, auch wenn wir klare ELO-Vorteile haben. 

10:00 Uhr: Sergey remis. Sein Gegner holzt im Vierspringerspiel alles weg, was sich bewegt, und das entstehende Endspiel ist unergiebig.

10:30 Uhr: allgemeine Sorgenfalten. „Steht eigentlich einer gut?“ Vitaly hat einen Damentausch zugelassen, nach dem die Stellung ziemlich ausgeglichen aussieht. Ich bin meinem Gegner in eine Eröffnungsvorbereitung gelaufen und habe mit Weiß wenig bis gar nichts. Peter neben mir hat die Eröffnung misshandelt und laboriert an einem Wanderkönig, der noch eine sichere Ecke sucht. Bei Michael Wrede ist wie üblich Chaos auf dem Brett, Christians Sizilianer wirkt eher wackelig, Heiko hat mit Weiß irgendwas mit d4 hingestellt – sprich, er hat keine Ahnung, was er tut – und Paulus macht am Damenflügel komische Sachen, indem er dem Gegner Linien öffnet. Aus der Ferne denke ich, dass er wahrscheinlich schnell verliert. 

11:00 Uhr. Paulus hat kurzzügig gewonnen. Fragt mich bitte nicht, ich weiß nicht, was passiert ist. Paulus verweist auf beiderseitige Fehler, sein Gegner habe den letzten gemacht. Das leuchtet ein.  1,5: 0,5

Danach brechen alle Dämme. Erst nimmt Peters Gegner in gewonnener Stellung ein von Peter taktisch geschickt (nämlich in die gegnerische Zeitnot hinein) platziertes Remisangebot an (2:1). Dann schafft es mein Gegner, innerhalb von 3 Zügen die ausgeglichene Stellung zu ruinieren und zwei Bauern einzustellen (3:1). Vitaly hat mittlerweile auch irgendwie 2 Bauern eingesackt und sein Gegner bald darauf keine Lust mehr (4:1). 

Bleiben Michael, Christian und Heiko. Michael lehnt in verdächtiger Stellung mutig ein Remisangebot seines Gegners ab, der daraufhin beschließt, Harakiri zu begehen, mit seinem König nach vorn stürmt und so ein Selbstmatt in 3-4 Zügen bastelt (5:1).  Christian hat mittlerweile ein Endspiel mit einem guten Springer gegen einen schlechten Läufer erreicht, übersieht dann aber einen gewinnbringenden Bauerndurchbruch und muss sich am Schluss mit Remis begnügen, was ihn schon so mächtig ärgert und noch mehr, als ihm anschließend der Gewinnweg präsentiert wird. Und Heiko? Der versucht noch irgendwie durchzubrechen, muss dann aber doch einsehen, dass er das zweite Remis an diesem Wochenende nicht verhindern kann. Und das Heiko, der doch nichts so sehr hasst wie remis… 

Endergebnis also 6:2 für uns. Ein wenig hoch, aber was soll man meckern… 

Mit 5:1 Punkten sind wir jetzt Tabellenzweiter hinter Bad Emstal/Wolfshagen, die als einziges Team noch verlustpunktfrei sind. 

In der nächsten Doppelrunde Ende November treffen wir dann auf die starken Mannschaften aus Wiesbaden und Hofheim. Das werden richtungsweisende Kämpfe, ob wir dieses Jahr ganz oben mitspielen können. 

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