In der zweiten Runde der Hessenliga spielte die erste Mannschaft des SC Freibauer Mörlenbach-Birkenau am Sonntag beim Aufsteiger Wiesbadener SV 2 Unentschieden und teilte sich die Mannschafspunkte. Gespielt wurde im Vereinsheim der Wiesbadener, dem „goldenen Springer“ am Schlosspark in Biebrich.
Den Auftakt machte ein kampfloser Punkt: An Brett 6 trat der Spieler des Gastgebers aus Wiesbaden nicht an, Michael Schäfer brachte die Mannschaft so ohne einen Zug mit 1:0 in Führung. Kurz darauf bot Georg Legde gegen den Routinier Ulrich Nehmert am zweiten Brett früh Remis an — er war an diesem Tag gesundheitlich angeschlagen. Auch an Brett 5 blieb es beim Unentschieden: Paulus Wohlfart wurde in der Eröffnung überrascht und fand im damenlosen Mittel- und Endspiel nicht die feinen Züge, um einen leichten Vorteil auszubauen. Sein Gegner Frank Mayer hatte am Ende mehr Erfahrungen mit diesem Stellungstyp und unterband alle Versuche.
Dann drohte die Begegnung zu kippen. Peter Dittmar hatte seinen Gegner Dan Fulea an Brett 4 aus der Eröffnung heraus dominiert, verlor aber den Faden und wurde überspielt — beim Wiesbadener passte auf einmal alles, was vorher nicht gepasst hatte. Viele rechneten zuvor mit einem umgekehrten Ausgang der Partie. An den hinteren beiden Brettern setzten die Mörlenbacher auf ihre Jugend. Luke Felgendreher gab an Brett 8 sein Debüt in der Hessenliga gegen Frank Dietz und hielt couragiert und lange dagegen; als sein Gegner einen gedeckten Freibauern auf d6 etablieren konnte, war die Partie nicht mehr zu halten. Trotz langer Gegenwehr stand es 2:3 aus Mörlenbacher Sicht.
Heiko Schneider probierte an Brett 3 gegen Platon Musienko, einem von zwei Brüdern und starken Nachwuchsspielerbei den Wiesbadener, eine neue Eröffnung aus; nach dreieinhalb Stunden trennten sich beide friedlich untentschieden, ohne die Stellung final ausgespielt zu haben. Möglicherweise wäre sie beim Zeitpunkt des Weiterspielens noch auf die eine oder andere Seite gekippt; zu unklar und zu offen waren die beiderseitigen Chancen. Den Ausgleich besorgte anschließend Sergey Galdunts am Spitzenbrett gegen Tymur Musiienko. In dieser Partie holte er aus einer Spanischen Eröffnung holte er zuerst einen klaren Vorteil heraus, im Mittelspiel konnte sein Gegner dann dagegenhalten. In einem Turmendspiel mit Mehrbauern zeigte Galdunts dann seine ganze Klasse und verwertete verdient und ohne weitere Fehler und mit viel Routine zum 3,5:3,5.

Das war der Moment, in dem an Brett 1 Tymur Musiienko trotz langer energischer Gegenwehr offensichtlich enttäuscht gegen Sergey Galdunts seine Partie aufgeben musste. Sergey hatte zuvor den gegnerischen König in einem Turmendspiel auf die letze Reihe zurückdrängen können. Nur weniger Zug später hatte sein Freibauer auf d6 die Partie entschieden.
Alles hing nun an Brett 7, wo Joshi Firus in der Eröffnung gegen Michael Scheitz couragiert aufgespielt, sich dann aber stellungsmäßig überdehnt hatte. in einer eigentlich bedenklichen Stellung, traf er eine Reihe mutiger, aber riskanter Entscheidungen. Hinzu kam, dass sein Gegner in beiderseitiger Zeitknappheit auch leichte Fehler einstreute. Als die Zeitkontrolle nach 4h überstanden war, hatte Joshi einen Mehrbauern im Turmendspiel. Theoretisch war die Stellung Remis, was unser Mann aber erst nach der längsten Partie des Nachmittags einsah. Er kannte diese Stellung (noch) nicht und versuchte einfach alles — Endstand 4:4.

Im Bild sind die beiden Youngster zu sehen, die die Freibauern in dieser Begegnung an Brett 7 (Joshi Firus, rechts) und Brett 8 (Luke Felgendreher, links) aufboten. Beide hatten es mit Wiesbadenern Routiniers zu tun. Beide kämpften gut und lange. Joshi gelang ein Remis zum 4:4 Endstand
Wie ist das 4:4 zu werten? Dem Verlauf der Begegnung nach, war es für viele Freibauern am Ende ein gewonnener Punkt. Die Wiesbadener hatten lange trotz Unterzahl die Nase vorn. Kleinvieh macht auch Mist und so erreichten die Freibauern zumindestens den ersten Mannschaftspunkt in der noch jungen Saison.
