14. Januar 2026

Nein, ich rede nicht von 2025 und unserem 25-Jährigen Jubiläum als Schachclub Mörlenbach-Birkenau. Dank der Unterstützung von Mitgliedern konnten wir im September ein schönes Schnellschachturnier organisieren. Es würde sich lohnen, dieses Turnier in 2026 zu wiederholen, auch ohne Jubiläum.

Ich möchte auf ein 50-jähriges Jubiläum hinweisen, dass für mich persönlich eine grosse Rolle spielte, und ein Teil der vielen Wurzeln unseres Vereins ist, sozusagen aus dem „Mörlenbacher Zweig“.

Vor 50 Jahren wuchs die Mörlenbacher Wurzel zum ersten Mal überregional heraus. Der Schachclub Mörlenbach war Teil des viele größeren SV Mörlenbach, quasi die Schachsparte. Fred Deißler war unser Vorsitzender. Er starb mit 59 Jahren später viel zu früh. Sein Leitspruch, den er kurz vor jedem Wettkampf ausgab, lautete: „Jungs, ihr wisst, was wir unserem Bürgermeister versprochen haben“. Wir hatten zwei Erwachsenenmannschaften, die erste Mannschaft spielte in einer Klasse analog der heutigen Bezirksoberliga. Karl Heinz Wohlfart trainierte damals eine kleine Gruppe von Mörlenbacher Kindern und Jugendlichen, die auf einmal immer besser wurden und auch im Schachbezirk zum erstenmal mit Erfolgen auf sich aufmerksam machten. Im Jahr 1975 wurde dann zum ersten Mal eine Mörlenbacher Nachwuchsmannschaft Bezirksmeister bei den Schachschülern (den heutigen U14 entsprechend). Einen unserer schärfsten Konkurrenten konnten wir knapp besiegen, die Schachfreunde Heppenheim, ich glaube mit 2.5 zu 1.5.

Damit hatten wir auch die Berechtigung an den entsprechenden hessischen Schachmeisterschaften für Schülermannschaften teilzunehmen, ausgetragen an einem Tag in Wallrabenstein am 12. Oktober 2025:

Wir waren krasse Aussenseiter. Auch damals war die Dominanz von Vereinen aus dem erweiterten Rhein-Main-Gebiet mit Kern Frankfurt schon sehr gross. Es wurden 9 Runden mit 15-min Schnellschachpartien gespielt.

„Wir“ das waren Günther Heidl (wir nannten ihn damals liebevoll „Qualle“), Christian Weber („Glubsch“), Uwe Ernstmeier (aus Bonsweiher), Armin Wolf (aus Rimbach), Augustinus und Paulus Wohlfart. Wir waren zu sechst in einer 4er Mannschaft, was auch den Konflikt erzeugte wer denn spielen durfte. Günther war an Brett 1 eigentlich immer gesetzt – er war unser Bär, der viele nominell bessere Gegner in Schach halten konnte. Christian, Augustinus Armin und Uwe wechselten sich ab. Mich setzte mein Vater zu 100% ein, nach meinem Wissen von Partie zu Partie. Das sorgte für Spannung und brachte mir den Vorwurf ein, begünstigt zu werden. Ich gewann die erste Partie an Brett 4, dann die zweite Partie an Brett 4, dann die dritte und hörte einfach nicht auf. Hätte ich mal verloren, hätte ich wahrscheinlich eine kreative Auszeit bekommen. Aber ich verlor nicht! Wie ich das angestellt habe, weiss ich heute nicht mehr. Ich weiß nur, dass ich mich heute ein wenig schäme für meine Unterschrift mit der Nachbemerkung „100%“. Natürlich war ich stolz, aber das war jugendlicher Überschwang! Ich bitte um Entschuldigung!

Wir wurden entgegen aller Erwartungen (auch aus den eigenen Reihen) ungeschlagen am 12. Oktober 1975 Schülermannschaftshessenmeister. Gegen alle deutlich höhergewetteten Konkurrenten. Das dies keine Alltagsfliege war, zeigten wir in den beiden darauffolgenden Jahren. Im Jahr darauf, 1976, gewannen wir die Jugendmannschaftshessenmeisterschaft, wiederum gegen alle Favoriten, aber bereits in Partien mit langer Bedenkzeit gespielt über mehrere Wochenenden. Und 1977 erreichten wir nochmals das Halbfinale. Danach war erstmal Schluss, Günther, Augustinus, Christian und Uwe wurden zu alt.

Warum schreibe ich das. Als Einzelspieler war ich nie so erfolgreich wie andere, z.B. Günther. Aber im Team, in der Mannschaft, geht vieles. Vieles mehr, als man sich denkt. Diese Zeit hat mich nachhaltig geprägt. Ich finde 50 Jahre nach diesen Ereignissen wäre es Zeit, dass sich „the next Generation“ an Jugendlichen und Schülern daran macht, für die Freibauern Mörlenbach-Birkenau in einem Mannschaftswettbewerb auf Kaperfahrt zu gehen!

Ich wünsche allen ein friedvolles 2026 und dass ihr in unseren Teams aufgeht, so wie ich 1975 in unserem Team aufgegangen bin.

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