Zwei Freibauern verirren sich auf ein Schachturnier mit etwa 550 Teilnehmern. Hier am Tegernsee in Oberbayern, ca 40km von München entfernt, starteten gestern nachmittag mit der ersten Runde die 29. Offenen Internationalen Bayrischen Schachmeisterschaft 2026. Sehr viele Großmeister und etliche Schachspieler jeglichen Alters und Spielstärke spielen in 9 Runden um das Preisgeld. Ganz vorne im Teilnehmerfeld mit dabei sind Frederik Svane und Alexander Donchenko, beide Mitglieder der deutschen Nationalmannschaft, die gerade bei der Schacholympiade Bronze holen konnten. Irgendwo im riesigen Teilnehmer findet ihr Christian Böhmer und mich. Das Turnier ist wie in den Vorjahren sehr straff durchorganisiert auch dank eines Turnierdirektors Sebastian Siebbrecht, der als ehemaliger Bundesligaspiele versteht wie Schachspieler ticken.
In der Eröffnungsrede gab es von Sebastian Siebbrecht klare Ansagen: Wer beim „Cheaten“ erwischt wird, fliegt raus und spielt nie mehr bei diesem Turnier mit. Interessanterweise sind es nicht nur Mobiltelefone und Smart-Uhren die im technischen Fokus der Betrugsmöglichkeiten mitspielen, sondern auch Hörgeräte. Da es viele Senioren hier gibt, der Älteste ist 94 Jahre alt, wimmelt es natürlich auch von Hörgeräten. Salomonischer Vorschlag des Hauptschiedsrichters: Alle mit Hörgeräten, doch bitte zumindestens einmal bei den Schiedsrichtern melden. Es ist nicht einfach faire Bedingungen einigermassen herzustellen.
Der Tegernseee ist eigentlich ein sehr schönes Ausflugsziel mit toller Landschaft. Am ersten Tag hatten wir noch Glück mit dem Wetter, es gab „Kaiserwetter“. Aber nur wenig später zog hier alles zu und auch Schnee bzw. Schneeregen ist in den nächsten Tagen möglich

Kaiserwetter am morgen, wenige Stunden später ist alles zugezogen, nass und ungemütlich

Christian spielt in seiner Auftaktrunde gegen einen leicht schwächeren Gegner, der sich jedoch teuer verkauft. Christian hat eigentlich alles im Griff, bis er mehr aus Versehen eine Qualität „opfert“. Seine Stellung ist jedoch dominant genug und das Opfer bewährt sich. Mir wird ein ca. 200 Elopunkte stärkerer Gegner zugelost, Matthias Tonndorf. Er versucht es ganz ruhig mit einem zurückhaltenden Reti-Aufbau, gegen den ich wohl ein Gegenmittel auch am Brett finde. Als er nach einigen Mühen einen Zentralbauern von mir nimmt, könnte dieser auch vergiftet sein. Ich sehe die Gewinnvariante, breche aber in der berechneten Endstellung ab mit dem Urteil „Ausgleich“, obwohl ich dort eine Figur mehr habe. Zum Ärgern bin ich zu alt, zumal sich mein eigentlicher Spielplan bewährt und ich ihn im Springer-Läufer-Endspiel trotz eines Minusbauern locker blockieren kann. Remis nach einer langen Partie.
Heute, Sonntag, Allerheiligen, könnt ihr Christian wahrscheinlich auf LiChess.Org live an Brett 27 verfolgen. Stay tuned!

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