5. Dezember 2025

Im fünften Spiel der Hessenligasaison empfing die erste Mannschaft des Schachclubs Mörlenbach-Birkenau den Tabellenführer aus Wolfhagen. Die Schachfreunde Bad Emstal/Wolfhagen, ein nordhessischer Verein, haben sich in den letzten Jahren sportlich stark entwickelt und spielten mit ihrer ersten Mannschaft in der 1. Bundesliga. Besonders hervorzuheben ist ihr überraschender Sieg bei der Deutschen Blitz-Mannschaftsmeisterschaft, bei dem sie als zuvor sechstklassiges Team den Titel holten. Auch ihre dritte Mannschaft, überwiegend bestehend aus noch sehr jungen, talentierten Spielern, verpasste in den letzten zwei Jahren nur knapp den Aufstieg aus der Hessenliga in die Oberliga.

Zum Spiel im südhessischen Weschnitztal mussten die Wolfhager eine weite Anreise antreten und hatten zudem noch Pech mit der Deutschen Bahn. Einer ihrer Spieler, der von Dortmund aus mit dem Zug anreisen wollte, kam aufgrund von Zugausfällen nicht an, sodass Mörlenbach-Birkenau gleich zu Beginn kampflos mit 1:0 in Führung ging. In der Folge entwickelte sich an allen Brettern ein erbitterter Kampf mit offenen Visieren, bei dem keine der beiden Mannschaften sich zurückhielt. Die Freibauern konnten den Vorteil der Jugend auf Wolfhagener Seite jedoch an den ersten beiden Brettern durch Erfahrung und sorgfältige Vorbereitung ausgleichen. Sergey Galdunts am ersten Brett hatte sich akribisch auf seinen Gegner Vadim Petrovskiy vorbereitet und bewusst eine Spielanlage gewählt, die dem Gegner sichtlich nicht behagte. Infolgedessen war er dem Sieg näher als sein Gegner, der am Ende nur etwas glücklich noch ein Remis erreichen konnte. Georg Legde am Brett 2 zeigte sich ebenfalls auf den Punkt vorbereitet gegen Kemal Bashirov, der aus der Eröffnung heraus unter starkem Druck geriet. Trotz zähen Widerstands musste Kemal am Ende die Niederlage eingestehen – zu diesem Zeitpunkt bedeutete das bereits den Gesamtsieg der Mannschaft. Wie kam es?

Die Partie am 3. Brett zwischen Georg Legde mit Weiß für die Freibauern gegen Kemal Bashirov für Wolfhagen mit Schwarz. Georg konnte seinen Vorteil nach längerem Kampf verwerten.

An Brett 8 hatte Michael Schäfer stets die bessere Antwort gegen seinen deutlich jüngeren Gegner Moritz Ruhl. Mit konsequenten Zügen erreichte er früh eine günstige Stellung, gewann zunächst zwei Bauern und schließlich noch in starker gegnerische Zeitnot die Qualität. Der Sieg war ein logischer Schluss. Die Partie am Brett 7 hätte für die Freibauern noch zu einem Wendepunkt werden können. Michael Wrede traf dort auf Uwe Kersten, einem sehr spielerfahrenen Routinier bei den Wolfhagenern. Möglicherweise war Uwe Kersten durch die Doppelbelastung als Mannschaftsführer und Spieler beeinträchtigt. In leicht besserer Stellung mit einem „guten Springer“ gegen einen „schlechten Läufer“ riskierte er ein Bauernvorstoss, der jedoch so nicht aufging. Michael Wrede konterte eiskalt und schnell; mit einem Figurengewinn durch eine nicht auflösbare Fesslung sicherte er sich einen weiteren Siegpunkt für die Freibauern. Fast zeitgleich siegte Georg Legde, wodurch die Freibauern uneinholbar mit 4,5:0,5 Punkten in Führung gingen.

Die noch laufenden drei Partien zeigten, dass es an diesem Tag auch anders hätte ausgehen können. Heiko Schneider, der mit Schwarz am Brett 3 gegen den ehemaligen deutschen U16-Meister Ivan Sidletskyi spielte, hatte von Anfang an einen schweren Stand. In einer komplexen Stellung und mit knapper Bedenkzeit entschied er sich für ein Figurenopfer. Nach 40 Zügen und der damit verbundenen Zeitkontrolle wurde das ganze Dilemma deutlich, und es blieb nach wenig weiteren Zügen nur noch die Aufgabe. Ebenfalls turbulent verlief die Partie am fünften Brett zwischen Babak Arani Bar für die Freibauern und Iliya Voloshchuk. Babak, der mit Schwarz im frühen Mittelspiel bereits einen entscheidenden Nachteil hatte, wehrte sich mit all seiner Routine und Erfahrung sehr erfolgreich. Erst als er einem Phantom unterlag und ein doppeltes Turmopfer spielte, um ein Dauerschach zu erreichen, verlor er nach langem Kampf die Partie. SeineKombination hatte ein Loch, und der gegnerische König konnte dem Damenschach entkommen.

Die letzte noch laufende Partie dieses Wettkampfs entpuppte sich als Ultra-Marathon. Peter Dittmar für die Freibauern am vierten Brett mit Weiß gegen Vladislav Lymar konnte aus der Eröffnung heraus in einem damenlosen Mittelspiel einen Mehrbauern absichern. Dieser ging jedoch im weiteren Verlauf verloren. Die Partie war ein Hin und Her: Der Wolfhagener wollte unbedingt gewinnen, während Peter Dittmar ein Remis anstrebte, dieses nach fast 5,5 Stunden Spielzeit aber nicht mehr erreichte. Wie sich später herausstellte, war ein Remis in einem komplizierten Springerendspiel greifbar nahe.

Der Wettkampf war bereits lange entschieden aber Vladislav Lymar wollte einfach kein Remis. Peter Dittmar, hier rechts, war in diese Stellung dem Remis greifbar nahe. Es fehlt ein wenig Spielglück.

Mit diesem überraschenden, wenn auch am Ende knappen 4.5 zu 3.5 Erfolg gegen den bisherigen Tabellenführer setzten die Freibauern ihre positive Bilanz aus den letzten Spielen nach einem verkorksten Saisonauftakt fort und haben sich derzeit im Mittelfeld der Tabelle etabliert. Bereits in zwei Wochen geht es zur sechsten Runde nach Oberursel

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