
Das einzig Gute an diesem Sonntagnachmittag ist das Wetter. Bei strahlendem Sonnenschein im Weschnitztal zeigt uns der Tabellenführer und designierte Aufsteiger aus Hofheim klar die Grenzen auf. Nachdem wir am vorangegangenen Spieltag in Eppstein den Nichtabstieg festgemacht hatten, fehlt an diesem Nachmittag im Mörlenbacher Bürgerhaus aber vielleicht auch die letzte Konzentration, um gegen ein hochmotiviertes Team aus Hofheim etwas reißen zu können. Denn für die Hofheimer ist klar: gewinnen sie heute gegen uns, ist die Meisterschaft in greifbarer Nähe mit dann zwei Mannschaftspunkten Vorsprung vor der letzten Runde im April. Dementsprechend rückt Hofheim auch mit der stärksten Mannschaft an. Und obwohl wir jedenfalls DWZ-technisch nicht so weit von unseren Gegnern entfernt sind, ist es von Anfang an ein Spiel auf ein Tor.
Los geht’s mit zwei schnellen remis von Sergey am Spitzenbrett gegen FM Patrick Burkart und von Michael Schäfer gegen Michael Tischendorf – von beiden Partien habe ich nichts mitbekommen, weil ich unvorbereitet gegen FM Ulrich Weber zu spielen komme und mir schon in der Eröffnung krause Gedanken mache. Nach diesen beiden Remis beginnt also quasi ein Wettkampf an 6 Brettern und da läuft es von Anfang an nicht gut. Christian Böhmer marschiert schon nach kurzer Zeit mit unzufriedener Miene durch den Saal, weil sein Gegner, der mehrfache Hessenmeister IM Arno Zude, ihn in den Würgegriff des Maroczy-Aufbaus (https://www.chess.com/de/terms/maroczy-struktur) nimmt, wo es für Schwarz unglaublich schwierig ist, irgendeine Form von Aktivität zu entfalten. Folgerichtig verbraucht Christian viel Zeit, findet dann doch keine guten Züge und stellt zum Schluss in Zeitnot eine Figur ein – ätzend. Immerhin ist beim Abendessen die Laune wieder einigermaßen hergestellt.
Auch Heiko und Paulus müssen an diesem Tag die Überlegenheit ihrer Gegner eingestehen. Paulus hatte sich auf einen anderen Gegner vorbereitet und wird dann am Brett von Jonathan Fish sofort unter Druck gesetzt. Lange Zeit sieht es noch so aus, als wenn sich Paulus konsolidieren kann, aber irgendwann ist dann irgendwie irgendwo was weg und die Partie verloren. Ganz ähnlich ergeht es Heiko, der im Taimanov-Sizilaner von IM Oliver Brendel eine seltener gespielte Variante präsentiert bekommt. Der von Heiko darauf initiierte Königsflügelangriff verpufft leider völlig und stattdessen verbleibt er mit hässlichen strukturellen Schwächen vor dem eigenen König, was mir schon beim Vorüberlaufen Magenkrämpfe verursacht. 0-1 bald darauf und Heiko sagt beim Abendessen, dass er so in der gesamten Saison noch nicht überfahren worden ist. Trösten kann er sich damit, dass er in der Woche vorher ein hervorragendes Turnier in Bad Wörishofen mit einem satten ELO-Plus von mehr als 30 Punkten gespielt hat!
So bleibt es Michael Wrede vorbehalten, den Ehrentreffer zu erzielen. Dafür benötigt er allerdings die gütige Mithilfe seines Gegners, der nach der Eröffnung eindeutig besser steht. Aber die von Jo Waffenschmidt gewählte Zugfolge lädt Michael zu einem überfallartigen Königsangriff ein und da lässt sich Michael bekanntlich nicht zweimal bitten. Ich habe allerdings nicht verstanden, wie Michael eigentlich genau gewonnen hat. Beim anschließenden „Partien zerreden“ bei unserem Stammgriechen kommen jedenfalls lauter Varianten aufs Brett, bei denen Weiß gewinnt ☹. Vielleicht lags am Uzo…
Ach ja, es fehlt noch meine Partie gegen Ulrich Weber, aber der Unterhaltungswert unserer Partie ist auch begrenzt. In einem Königsinder habe ich nach der Eröffnung zunächst Vorteil, der sich aber in der gewohnten Unübersichtlichkeit des Königsinders irgendwo wieder verflüchtigt und so schließen wir in völlig ausgeglichener Stellung Frieden.
Damit steht es 2,5 -5,5 und wir rutschen in der Tabelle von Platz 5 auf Platz 6. Ok, das ist nicht wirklich aufregend. Da die Spielklassen über uns bereits beendet sind und keine hessische Mannschaft absteigt, gibt es in der Hessenliga, die in der kommenden Saison von 12 auf 10 Mannschaften verkleinert wird, amtlich bestätigt „nur“ drei Absteiger und aus dieser Lotterie sind wir raus, wie die Tabelle unten zeigt. Anders sieht das bei unserem Gegner in der letzten Runde, den Schachfreunden von Brett vorm Kopp, aus; sie rangieren auf Platz 9 noch in Abstiegsgefahr und brauchen auf jeden Fall einen Punkt, um die Klasse zu halten. Das wird in der Abschlussrunde am 26.4. in Frankfurt also ein spannender Kampf.

Ein Kommentar zu „Kleine Klatsche beim letzten Heimspiel – Hofheim zu stark“
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Ich stelle gerade fest, dass ich Peter Dittmar total vergessen habe. Völlig zu Unrecht, denn er hatte im Katalanen eine sehr interessante Partie auf dem Brett, in der er mit einem korrekten Bauernopfer seinen Gegner früh unter Druck setzt. Aber leider verpasst er dann mehrfach vielversprechende Fortsetzungen, u.a. ein hochinteressantes positionelles Qualitätsopfer, nach dem der Computer Schwarz Vorteil signalisiert… stattdessen bleibt er auf dem Minusbauern sitzen und dann wird die Stellung auch immer schlechter. Mist.

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