Brügge ist eine halbe Reise wert

Vom 8. August bis 14. August fand in Brügge in Belgien nahe an der Nordseeküste das „Brugse Meesters 2026“ statt ein neunrundiges Turnier an insgesamt 7 Spieltagen. Ich hatte davon über meinen alten Schulkameraden Armin Wolf erfahren, als er bei einem Abitursjahrgangtreffen im Frühsommer davon erzählte. Armin Wolf spielte früher in unseren Jugendmannschaften und in der ersten Mannschaft, bis es ihn irgendwann nach Augsburg verschlug, wo er eine neue Heimat fand. „Pourquois pas, Paulus“ fragte ich mich, und meldete mich kurzerhand auch noch an, nachdem im Frühsommer einige Versuche meinerseits fehlgeschlagen waren, bei einem anderen Turnier mitzuspielen

Zur Lokalität

Brügge in Belgien ist eigentlich eine Reise wert. Setidem die malerische Altstadt, die teilweise Züge von Venedig hat, jedoch vor etwas mehr als 20 Jahren komplett zum UNESCO Welterbe ernannte wurde, strömen die Touristen aus aller Welt im Sommer hierher, viele Spanier, viele Chinesen, wenig Deutsche. Eigentlich ist die Stadt nach wie vor sehr schön. Ich war 2008 einmal beruflich hier. Sehr interessante Kulturdenkmäler und neu restaurierte Museen erlauben mehr als nur ein kulinarisches Vergnügen. In diesem Sommer war sie jedoch schlicht überlaufen und die negativen Folgen spürbar. Viele Restaurants richten sich an den Massen aus. Überall gibt es Muscheln Burger und Fritten. Belgische Waffeln sind eine Spezialität, nicht jedoch unbedingt so, wie der Besucher von Brügge hier angeboten bekommt. Überall bilden sich lange Schlangen. Vorteil jedoch: Es gibt etliche Sorten belgisches Bier. Dieses wird teilweise mit Zutaten gebraut, die so in Deutschland wegen des sogenannten Reinheitsgebotes nicht möglich wären. Bei einer Auswahl von bis zu 500 Sorten hatte ich es jedoch einfach zu schwer.

Die Stadt Brügge ist von einem großen Kanal ringförmig umgeben, auf dem es früher Schiffsverkehr aus der Nordsee in die Innenstadt gab

Windmühlen gibt es auch in Belgien. Diese steht am großen Kanalring und ist natürlich außer Betrieb. Eine der vier Windmühlen kann man wohl auch besichtigen

In der Innenstadt finden sich überall ein verzweigtes Kanalsystem, das in Teilen befahrbar ist

Die Anreise und Unterkunft

Ich fahre ungern weite Strecken mit dem Auto, wenn es gute Bahnverbindungen gibt. Zweimal Umsteigen, einmal in Frankfurt und einmal in Belgiens Hauptstadt Brüssel erschienen praktikabel. Dann kam vier Tage von der Anreise die lapidare Nachricht in die Bahn-App, das der ICE nach Brüssel nicht ab Frankfurt, sondern ab Köln bereitgestellt wird, es galt also Alternativen zu finden, dann noch eine Baustelle zwischen Köln und Aachen, die die Fahrt um 90 Minuten verlängerte und zu guter letzte die Nachricht, dass der ICE nicht bis Brüssel Hauptbahnhof fährt, sondern ausnahmsweise schon in Brüssel-Nord endet. Die Fahrgäste sollen sich doch bitte Anschlusszüge suchen. Es hört sich nach dem täglichen Wahnsinn an, aber wir hatten damit gerechnet und lange Fahrtzeiten eingeplant. Gegen 18:00h am Vortag waren wir in Brügge und es ging nur ein paar Schritte zum Hotel, dem IBIS Budget Central Station. Die Zimmer sind „Kokoon-artig“, das Frühstück nicht so gesund und abwechslungsreich wie angepriesen. Der Weg zum Spiellokal war laufbar, der Weg in die Stadt, entpuppte sich bei Wiederholungen als Herausforderung.

Das Turnier und der Veranstaltungsort

Das Spiellokal war eine Schule. Gespielt wurde in einem großen Saal. Der Platz war ausreichend. Die Veranstalter gaben sich sehr viel Mühe Kleinigkeiten zu Essen und zu Trinken anzubieten. Alles war gut organisiert. Für die Hitzewelle, die auch Belgien im Griff hatte, allerdings durch die Meeresnähe etwas abgeschwächt, war die Temperatur teilweise etwas hoch. Die Schiedsrichter sorgten für einen sehr reibungslosen Ablauf. Zwar gab es zwei Doppelrunden, aber „byes“ waren möglich, so dass man diese nicht zu spielen brauchte. Für die gesamte Partie gab es 90 Minuten Bedenkzeit mit 30 Sekunden Inkrement von erstem Zug an. Das ist etwas sportlich. Was mir dabei zu kurz kommt und auch in diesem Jahr zu kurz kam, dass Endspiele kaum aufs Brett kommen. Viele Partien werden vorher entschieden. Ich spielte 8 von 9 Runden und war insgesamt mit dem Ablauf zufrieden

Meine Performance

Nach einem Auftaktsieg hatte ich in Runde 2 einen schweren Gegner und spielte dort trotz Niederlage die beste Partie. Am dritten Tag war ich von einem 13-jährigen indischen Nachwuchstalent überfordert, weniger von dessen Spielstärken als vor meinem Respekt. Mit 13 Jahren spielte ich in anderen Klassen. Am zweiten Doppelrundentag konnte ich meine Bilanz durch ein Unentschieden und Remis ausgleichen. Dann wollte ich noch drei Sieg nachlegen, aber in Runde 7 und 8 stotterte mein Motor. In der Abschlussrunde bekam ich es wieder mit einem spielstarken 15 Jahren alte Jungen zu tun, diesmal aber aus Belgien. Hier wickelten wir in ein Endspiel ab, nachdem ich kurz sehr verdächtig stand. Und im Endspiel bin ich ok. Es hätten am Ende 1-2 Punkte mehr sein können, das war drin, aber ich lieferte am Brett nich die Leistung ab.

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