Belgien ist den meisten bekannt für seine Waffeln, die wirklich lecker sein können, es sei denn man kauft sie in der Altstadt von Brügge und natürlich seine Schokolade. Zur letzten Runde hatten sich die Veranstalter des „Brugse Meesters Open“ ein nettes Abschiedsgeschenk einfallen lassen. Jeder Teilnehmer fand an seinem Brett ein Packung Originalpralinen aus Belgien vor, kostenlos bereitsgestellt von einem der Sponsoren des Turniers. Diese Pralinen werden sicherlich süss schmecken. Nicht so süß waren manche meiner Züge bei dem gerade beendeten Turnier

In zwei Teilen möchte ich Euch hier und im kommenden Beitrag „meine belgischen Schachpralinen“ zeigen. Im Erstrundenauftakt hatte ich es mit einem vermeintlichen schwächeren Spieler zu tun, der mich mit Schwarz jedoch trotzdem zwang, mich ganz lang zu machen. Nach dem 20. Zug war folgende Stellung entstanden:

Mein Gegner zog hier 21. Lf3. Wie hättet ihr geantwortet?
Eine Runde später hatte ich mit einem jungen holländischen Nachwuchsspieler, der am Ende im Turnier weit vorne landete eigentlich meine beste Partie. Meine Pläne nach der Eröffnungen gingen auf und ich war zuerst am Drücker. Dann aber veränderte er Zug um die Zug die Stellung und erreichte aus einer eher passiven Stellung sehr aktive Figurenstellungen. Mein lang rochierte König war auf einmal in Gefähr:

Gerade hatte ich 28.Tc6 gezogen. Auf 28…Sc4 folgte 29.Lxc4 bxc4 30.Tb6 Damit wollte ich meine Löcher in der Königsstellung „stopfen“ und vielleicht auch etwas Material mitnehmen. In beiderseitiger knapper Zeit folgte von ihm 30…Dg3 Solche langen Damenzüge bekam ich im Turnier öfters vorgesetzt und hatte so meine Schwierigkeiten, auch weil ich sie nicht in meinen Vorausberechnungen hatte. Auf einmal wackelt auch g2. Aber nein, 31.Th3 Dxg2 32.Dxe5 und ich habe ein Figur mehr! Ok, die Stellung sieht wackelig aus, aber vielleicht geht ja noch etwas. Wie saß Schwarz hier am längeren Hebel?
In der dritten Runde bekam ich als Gegner einen 13-Jährigen aus Indien zugelost. Ich konnte mich kaum vorbereiten, weil von ihm ganz 3 Weißpartien in der Chessbase Datenbank waren, in denen er immer nicht 1.e4 zog. Diesmal schon und es kam ein Sizilianer aufs Brett im sogenannten „Maroczy Bind“. Hier muss Schwarz aktiv spielen um nicht ins Hintertreffen zu gelangen. Ich wusste das und spielte trotzdem zu passiv. Vor dem 20. Zug stand ich bereits etwas im Hintertreffen:

hier zog mein Gegner für mich überraschend 20.Lb6. Den Zug hatte ich nicht auf der Rechnung. Was will er nur? möchte er meine Dame von der Verteidigung meines Bauern auf b5 abdrängen. Wie hättet ihr mit Schwarz reagiert?
Einen Tag später hatte ich mich leidlich von der zweiten Niederlage in Folge erholt und traf in der vierten Runde diesmal mit Weiß wieder auf einen Gegner, über den es kaum Datenbankeinträge gab. Der Grund dafür wurde mir im Gespräch bei der nachträglichen Partieanalyse klar. Mein Gegner, Thomas Vandeputte, war in seiner Jugend sehr aktiv, dann lange ganz inaktiv und hatte tatsächlich erst vor einem Jahr wiederangefangen, spielt aber hauptsächlich auf Online-Platformen. In der folgenden Stellung hatte ich zuvor einen schwarzen Springer auf e4 zuerst mit f2-f3 auf das Feld c5 verjagt und dann gleich noch mit dem Vorstoss b3-b4 von c5 nach d7. Soweit so gut. Weiß steht etwas besser. Mir unterlief mein „Blackout“ des Turniiers

Ich spielte hier tatsächlich 19.Dxf5 nicht ohne vorher 10 Minuten überprüft zu haben, dass der schwarze Springer auf f6 keinen sinnvollen Abzug hat. Bauer mehr ist Bauer mehr! Es folgte 19…Sxd5 Schach kann ganz einfach sein. Warum hatte ich diesen Zug nicht als Möglichkeit gewertet? Die Antwort dämmerte mir nach 5 Minuten grübeln. Hier wollte ich natürlich 20.De6 folgen lassen, die Dame ist ja vom weißen Bauern auf d5 gedeckt. Allerdings handelt es sich nachgewiesener Weise um einen Phantombauern, der gerade das Feld verlassen hatte. Ich fiel natürlich aus allen Wolken. Zuerst überlegt ich an 20. Dh5 aber es folgt darauf einfach 20…Sxe3. Stop Paulus, kühlen Kopf behalten! Nicht gleich einen zweiten Fehler hintenherschieben. Am Ende spielte ich 20.De4 Jetzt ist der schwarze Springer auf d5 gefesselt. Konnte ich mich damit retten? Ich konnte! Hätte aber nicht mich retten können! Mit welchem schwarzen 20ten Zug? Zum Glück machen auch andere Fehler!
Es war also nichts mit einem ausgeglichenen Punktekonto, nachdem ich diese Partie noch ins Remis retten konnte. Und dann noch Doppelrunde! Wenige Stunden nach dem Schock ging es um 15h in die zweite Parite des Tages, die ich hier vollständig zeige, nicht weil sie schön war, sondern weil es an einer Stelle, die ich nicht verraten möchte, einfacher für mich gewesen wäre.
Und? Findet ihr den Zug, den ich früh ausgelassen habe? Wer will kann mir gerne an meine Email Adresse antworten, um seine Lösungen zu überprüfen.
Teil-2 der belgischen Schachpralinen folgt demnächst
