Wir sind hier sehr kreativ, wenn es darum geht einen Lagerkoller zu minimieren. Das Wetter war vor der 7.Runde der OIBM, wie es größtenteils die ganze Woche über war. Christians Campingplatz, auf dem er einer der letzten Gäste in dieser Saison ist, war wieder in dichten Nebel gehüllt. Und auch 20km weiter, hier am Tegernsee, war es kaum besser. Wir verabredeten uns für den frühen Nachmittag zu einem langen Spaziergang, gingen im Kopf unserer Vorbereitungen durch und genehmigten uns Kuchen und Heißgetränk mit „Schlagobers“.
Bei Christian fruchtete diese Art der Spezialvorbereitung nur bedingt. Sein Gegner hatte bis dahin in der Nimzowitsch-Indischen Verteidigung immer eine bestimmte Variante gewählt, auf die Christian eine interessante Antwort gehabt hätte. Aber es kam natürlich anders, der Gegner wich früh ab, und Christian spielte in der Folge zu verhalten. Er wurde aus dieser Eröffnung heraus peu a peu überspielt. Entsprechend gedrückt war die Stimmung danach.
Ich wollte mich vorbereiten, dann gab es aber keine einzige Partie meines 61-jährigen Gegners. Er spielte erst seit 7-8 Jahren Schach und nahm zum erstenmal bei einem Schachopen teil, davor gab es nur Wertungen aus der Bezirksklasse Lahn/Eder. Aber immerhin hatte damit fast eine DWZ von 1900 erspielt.
Ich versuchte natürlich breit etliche Nebenvarianten gegen meinen ersten Zug 1.d4 vorzubereiten, wie z.B. 1.b6 oder klassischer Holländer, war am Ende aber doch frustriert über all die Möglichkeiten, die Schwarz gegen 1.d4 auspacken kann. Ich ging also mit einem mulmigen Gefühl in die Partie, zwar als Favorit, aber mein Bauch grimmte deutlich. Stell dir vor es könnte schlimmer kommen, und es kam schlimmer zumindestens in der Eröffnung:
Die Partie zog sich lange hin, am Ende spielten wir knapp 4 Stunden. Ich war froh, dass es mir am Ende doch noch gelang zu gewinnen, auch weil ich zwischendrin einige Remisfortsetzungen für meinen Gegner gesehen hatte, bzw. Züge auf die ich keine einfache direkte Antwort gehabt hätte. Mühselig nährt sich das Eichhörnchen, vor allem wenn es schon die ganze Zeit am Sammeln war und der Winter unmittelbar vor der Tür steht.
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