Freibauern-Oldies gegen indische Nachwuchstalente – vorletzter Tag der OIBM

Einen signifikanten Anteil am Teilnehmerfeld stellen indische Schachspieler, teilweise Großmeister und weitere Titelträger, aber auch eine grosse Masse an indischen Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 18 Jahren. Es kam heute so, wie es die ganze Woche schon hätte kommen können. Christian und ich trafen auf zwei Nachwuchspielerinnen aus diesem Subkontinent – mit unterschiedlichen Ausgang.

Christian spielte mit Schwarz knochentrocken, öfters musste die unsaubere Plazierung von Figuren seiner jungen Gegnerin korrigieren – ob sie das absichtlich gemacht hatte, sei dahingestellt. Alle Leichtfiguren fielen bei fast symmetrischer Bauernstellung vom Brett und am Ende blieben zwei Türme und Dame, ohne dass einer der beiden Seiten Gewinnchancen hatte – mit einem Remis als Folge.

Ich hatte die Ehre gegen ein 11-jähriges Mädchen zu spielen, die amtierende U12-Schnellschach-Weltmeisterin Sharnaanica AS. Innerhalb eines Jahres hatte sie ihre Elo um 1100 Punkte auf momentan 2205 verbessert, Tendenz weiter ansteigend. Obwohl noch sehr jung an Jahren gab es schon etliche Partien von ihr in der Chessbase Datenbank, ich fokussierte mich aber auf die letzten zwei Jahre, in dem sie mit Weiß zum Londoner System wechselte.

Es gelang mir dank punktgenauer Vorbereitung gut aus der Eröffnung zu kommen, im Mittelspiel spielte sie aber deutlich genauer im Vergleich zu mir. Nicht dass ich schlecht spielte, sie spielte einfach immer einen Tick genauer. Am Ende fanden wir uns nach 40 Zügen in einem Turmendspiel wieder, in dem sie mit aktivem Turm deutlich besser stand, wahrscheinlich auf Gewinn. Ausführlich werde ich die Partien erst nach dem Turnier analysieren. Computer möchte ich eigentlich nur ganz am Ende meiner Analysen benutzen. Die schnellen Schlussfolgerungen nach ad-hoc Analysen mit Stockfish oder Fritz unmittelbar nach der Partie versuche ich weitgehend zu vermeiden, da sie nicht aus eigener Erkenntnis stammen und mir mittel- und langfristig nichts bringen.

Ich bekam im Endspiel eine zweite Chance, sie übersah eine Aktivierung meines Turmes. Sehr wahrscheinlich stand ich da dem Remis sehr nahe, aber ich spielte wie im Wahn und hätte lange überlegen müssen – so machte ich zwei aufeinanderfolgende Fehler und aus dem Remis-Turmendspiel wurde ein verlorenes Bauernendspiel. Meinen Seelenzustand möchte ich hier nicht beschreiben, ich hatte die Chance und habe sie ungenutzt verstreichen lassen. Für morgen mich nochmal zu Motivieren, wird nicht einfach sein.

Sehr wahrscheinlich werdet ihr erst mit einiger Verzögerung erfahren, wie wir morgen an der letzten Runde gespielt habe. Die Rund startet vormittags und direkt anschliessend steht die lange Heimfahrt an. Trotzdem ein letztes Mal für dieses Jahr vom Tegernsee: Stay-Tuned.

A.S. Sharvaanica (auch oft Sharvaanica A S geschrieben) ist eine herausragende indische Schach-Wunderkind-Spielerin. Geboren im Jahr 2015 in Tamil Nadu, gilt sie als eines der größten Nachwuchstalente im weltweiten Frauenschach. [1, 2, 3]

Sie hält den Titel einer FIDE-Meisterin der Frauen (WFM) und hat im Jahr 2026 als eine der jüngsten Spielerinnen überhaupt die historische Elo-Marke von 2200 überschritten. [1, 2]

Wichtigste Erfolge & Meilensteine

  • U12-Schnellschach-Weltmeisterin (2026): Sie dominierte die FIDE-Weltmeisterschaft der Kadetten in Serbien in der höheren Altersklasse U12 mit einem überragenden Ergebnis von 10,5 aus 11 Punkten (ohne eine einzige Niederlage). [1]
  • U10-Weltmeisterin im klassischen Schach (2025): Bei der Weltmeisterschaft in Almaty (Kasachstan) holte sie nach einer Auftaktniederlage mit 9 Siegen in Folge die Goldmedaille. Damit trat sie in die Fußstapfen indischer Schachlegenden wie Koneru Humpy. [1, 2]
  • Nummer 1 der Weltrangliste: Sie ist die am höchsten bewertete Spielerin ihrer Altersklasse weltweit und knackte die 2200er-Elo-Grenze sogar schneller als die ehemaligen indischen Spitzen-Großmeisterinnen. [1, 2]

Steckbrief und Spielstil

  • Trainer & Akademie: Sie wird von Großmeister Vishnu Prasanna in der Hatsun Chess Academy trainiert (der auch den indischen Top-Großmeister D. Gukesh ausgebildet hat). [1]
  • Besonderheit: Auf Anraten ihres Trainers verzichtet sie in ihrer Analyse weitgehend auf klassische Schach-Engines (Computerprogramme), um stattdessen ihr eigenes, kreatives Denken maximal zu schulen. [1]
  • Eröffnungsvorlieben: Mit den weißen Steinen greift sie besonders gerne auf Damenbauernspiele (1. d4) sowie katalanische Strukturen zurück. [1]

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