Immer am letzten Augustwochenende findet in Mörlenbach von Freitag bis Montag die Kerwe statt – und wir sind als Verein mit unserem Gulaschsuppenstand schon „ewig“ dabei. „Ewig“ ist übertrieben, aber wann waren wir eigentlich zum ersten Mal dabei? Ich erinnere mich schmerzhaft an das Jahr 1978: Da war ich 16 und hatte einen Fahrradunfall im Zusammenhang mit unserem Gulaschsuppenstand – aber davon vielleicht später mehr. Das wären bis heute 48 Jahre. Begonnen hat alles aber schon vor 1978. War das erste Mal 1976 oder 1977? Dann hätten wir vielleicht sogar 2026 ein rundes Jubiläum? Das müssen wir klären. Tatsache ist, dass unser Schachclub seitdem ununterbrochen – mittlerweile als einer der wenigen verbliebenen Vereine auf der Kerwe – Gulaschsuppe und Getränke verkauft.
Zeit für eine Rückschau!
Wie alles begann
Es begann mit Diskussionen und Aktivitäten der Familien Sach, Wrba, Jäger und Peschel. In Rimbach gab es eine kleine Gaststätte, „Zum Jupp“, mit einem überschaubaren Angebot an Speisen. Oft nachgefragt war die Gulaschsuppe, die dort jeden Tag frisch gekocht wurde und wirklich lecker schmeckte. Werner Sach, Karl-Heinz Peschel und Willy Wrba senior
und andere hatten die Idee, diese Suppe in größerem Maßstab nachzukochen und unter bescheidenen Anfangsbedingungen auf dem Dorffest in Mörlenbach auszuschenken. Ohne die Frauen im Hintergrund wäre das gar nicht gegangen: Sie sorgten dafür, dass die Suppe wirklich hervorragend gekocht wurde. Und wie stolz waren wir alle, als im ersten Jahr rund 600 D-Mark als Mehreinnahmen in der Vereinskasse landeten!
Von einem einfachen Holzverschlag zur eigenen Bude mit vielen „Gondeln“
Mit den Jahren wurde alles größer. Irgendwann besorgte Willy Wrba senior über seinen damaligen Arbeitgeber, die Bergsträßer Winzergenossenschaft, die „Gondeln“. Die Gründerväter und -mütter sorgten auch dafür, dass wir eine richtige „Bude“ mit Dach über dem Kopf bekamen, die fortan jedes Jahr vor der Kerwe auf- und danach wieder abgebaut wurde – bis ein schweres Unwetter kurz vor einer Kerwe, 2016? Werner hilf uns!, die mittlerweile in die Jahre gekommene Bude im wahrsten Sinne des Wortes zerfetzte. Ich erinnere mich noch genau an den Anruf von Werner Florig auf meinem Mobiltelefon, mitten in meinem Urlaub in Erfurt und Berlin – und daran, wie froh wir waren, dass niemand zu Schaden kam.
Generationen im Wechsel
Nicht nur die Umgebung veränderte sich, auch die verantwortlichen Personen wechselten. Ein großer Einschnitt kam 2001 mit dem Tod von Willy Wrba senior, der im Hintergrund immer unglaublich viel erledigt hatte. Der Junior übernahm sehr zuverlässig, war in den folgenden Jahren aber oft auf sich allein gestellt. Seine Mutter half noch lange mit, ebenso die Meindls und die alten Wohlfarts. Immer wieder gab es Krisen, genügend Mitglieder zu finden, die beim Auf- und Abbau anpackten oder sich hinter die Theke stellten, um Suppe und Getränke auszugeben – in manchen Jahren lief es aber auch wie von selbst. Eine ganze Zeit lang galt es unter den jüngeren Schäfers, Markgrafs und Wohlfarts geradezu als „sexy“, freitags und samstags bis tief in die Nacht hinter der Theke wirbeln zu dürfen. Die Montagsschichten dagegen waren immer ein Problem – da musste normal gearbeitet oder zur Schule gegangen werden. Wen ich hier nicht erwähnt habe, den bitte ich um Nachsicht.
Was die Kerwe aus dem Verein machte
Vor der Kerwe waren wir eine Abteilung innerhalb eines großen Sportvereins – mit knapp zwei Mannschaften: Die erste spielte in der Bezirksoberliga, die zweite in der Bezirksklasse, mehr nicht. Durch die Einnahmen wurden wir „freier“. Wir machten uns als eigener Verein selbstständig, wurden ins Vereinsregister eingetragen und kurz darauf als gemeinnützig zur Förderung des Sports anerkannt. Wir entwickelten ein professionelles Trainingssystem – mit Leistungssportförderung, aber nicht nur. Damit wurden wir attraktiv für gute Schachspieler aus der Region, die in den folgenden Jahren den Weg zu uns fanden. Erfolgsgeschichten folgten: Aufstiege in die Landesklasse, Hessenliga, Oberliga Ost und bis in die zweite Bundesliga.
Es geht dabei nicht um einzelne Personen, sondern um die Möglichkeiten, die uns die Kerwe-Einnahmen an die Hand gaben, das Schach in Leistungstiefe und -breite wirklich zu fördern – eben nicht nur das Training der ersten Mannschaft, sondern auch die Jugendtrainings durch zuvor selbst ausgebildete Mitglieder. Für mich ist dieser Punkt entscheidend, wenn es um die Frage geht, warum man sich 2026 auf der Kerwe engagieren sollte: Der Verein ist heute so, wie er ist, gerade weil wir immer daran festgehalten haben, jedes Jahr bei der Kerwe dabei zu sein.
Und heute?
Über all die Jahre hat sich vieles stark verändert, vor allem unser Verein selbst. Mittlerweile sind wir „hybrid“ unterwegs und haben auch Mitglieder, die mehr als 50 Kilometer entfernt wohnen und für die „Dorffest“ oder „Kerwe“ eine andere Bedeutung hat – und die sich nur bedingt mit Helferdiensten einbringen können, es gelegentlich aber durchaus tun. Ich hoffe sehr, dass wir diese Tradition auch 2026 fortführen.
Wie es in diesem Jahr konkret weitergeht – was es Neues an unserem Stand gibt und wie sich jede und jeder einbringen kann, auch mit wenig Zeit –, davon erzähle ich im zweiten Teil. Fortsetzung folgt in wenigen Stunden!
