Reisebericht 22.05. – 13.06.
Manchmal beginnt ein Schachausflug mit Rad im Gepäck und endet als reine Schachreise – aber dazu später mehr. Drei Wochen ging es in den Süden Frankreichs, mit dem Wohnmobil als rollendem Basislager und reichlich Programm zwischen Brett und Boule.
Woche eins und zwei: Strandquartier am Mittelmeer
Die ersten beiden Wochen verbrachten wir auf dem Campingplatz LVL Les Ayguades bei Gruissan, direkt zwischen Lagune und Mittelmeer in der Nähe von Narbonne. Wer Gruissan kennt, kennt auch den berühmten Wind: Der Tramontane pfeift hier so zuverlässig, dass die einheimischen Strandhäuschen auf Stelzen stehen – „les chalets sur pilotis“, bekannt aus dem Kultfilm Betty Blue. Idealer Ort also, um zwischen den Partien den Kopf durchpusten zu lassen.
26e Open de Narbonne (23.05. – 25.05.)
Den sportlichen Auftakt machte das 26. Open von Narbonne. Narbonne selbst war einst römische Hauptstadt der Provinz Gallia Narbonensis und damit älter als so manche berühmtere Nachbarstadt – die alte Via Domitia kreuzt noch heute mitten in der Innenstadt. Am Brett lief es prächtig: Mit 6½ aus 8 belegte ich am Ende Platz 2 unter 83 Teilnehmern – nur einen halben Punkt hinter der Siegerin Camille Blanquet. Eine Turnierperformance von über 2200, mit der man gut in den Urlaubsmodus überleiten kann.
Eigentlich Mont Ventoux – tatsächlich Brett statt Berg
Danach hieß es: Wohnmobil packen, Vespa und Rennrad an Bord, und auf in das beschauliche Bergstädtchen Faucon im Vaucluse, am Fuße des „Géant de Provence“. Geplant war die erneute Teilnahme am Gran Fondo Mont Ventoux am 07.06. – jener legendären Auffahrt, an der sich schon Generationen von Radsportlern (und ein gewisser Tom Simpson) abgearbeitet haben.
Doch der Mensch denkt, und ein Infekt lenkt: Meine Erkrankung machte mir kurz vor dem Start einen Strich durch die Rechnung. Der Ventoux blieb an diesem Tag damit unbezwungen!
Open de Châteaurenard – Trost am Brett (07.06.)
Wenn die Beine nicht wollen, muss eben der Kopf ran. Statt Bergauffahrt also Brettarbeit beim Rapidturnier in Châteaurenard, einem hübschen Provence-Städtchen, das von der Ruine seiner Feudalburg aus dem 12. Jahrhundert überragt wird und für seinen traditionsreichen Gemüse- und Obstmarkt bekannt ist.
Und siehe da – die Krankheit schien dem Spiel nicht geschadet zu haben: Mit 7 aus 8 holte ich den Turniersieg unter 58 Teilnehmern, bei exakt gleicher Punktzahl knapp vor IM Armen Petrosyan, der nur an der Feinwertung vorbeiziehen musste. Ein Sieg gegen einen Internationalen Meister im Feld – das versöhnt mit dem ausgefallenen Berg.

Fazit
Den Ventoux habe ich dann am folgenden Freitag bezwungen und zwei sehr erfreuliche Turnierergebnisse stehen zu Buche: ein zweiter Platz in Narbonne und ein Turniersieg in Châteaurenard.

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Manchmal ist die beste Medizin eben ein gut besetztes Schachturnier.
Ergebnisse im Detail: Narbonne · Châteaurenard







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