Schnellschach-Jugendturnier in Mörlenbach auch im Jahr 2026 ein voller Erfolg

Während andere Kinder und Jugendliche den Brückentag das lange Wochenende anderen Freizeitbeschäftigungen widmeten, entschieden sich insgesamt 32 Nachwuchsspieler im Alter zwischen 6 und 16 Jahren  dafür, mehrere Stunden hochkonzentriert auf 64 Felder dem Schachspiel über mehr als 4 Stunden nachzugehen. Im Mörlenbacher Bürgerhaus wurde fand am vergangenen Wochenende bereits das dritte von insgesamt fünf Jugendturnieren des Schachbezirks Bergstraße im Rahmen der „Grand-Prix-Serie 2026“ ausgetragen.  Nachdem zuvor bereits die Vereine in Bensheim und Lorsch erfolgreich vorgelegt hatten, markierte das Turnier zugleich die Halbzeit der diesjährigen Schnellschachserie. Nach der Sommerpause folgen noch die abschließenden Veranstaltungen in Bürstadt und erneut in Lorsch.

Trotz des ungünstig gelegenen Brückentages konnte sich die Resonanz erneut sehen lassen und bewegte sich insgesamt auf vergleichbarem Niveau wie bei den vorherigen Turnieren. Im Wettbewerb der Altersklassen U12, U10 und U8 gingen insgesamt 22 Jugendliche an die Bretter. Im parallel ausgetragenen Turnier der Altersklassen U18, U16 und U14 kämpften weitere zehn Teilnehmer um Punkte und Pokale. Die Altersklasse U18 blieb zum Bedauern der Veranstalter unbesetzt. Besonders erfreulich war, dass sich auch zwei Mädchen der überwiegend männlichen Konkurrenz stellten und dabei mit großem Einsatz und spielerischem Geschick überzeugten. Alle beteiligten Vereine hoffen sehr, dass sich künftig noch mehr Mädchen für den Turnierschachbetrieb begeistern lassen und dauerhaft dabei bleiben.

Blick in den Turniersaal. Auch ganz junge Menschen lassen sich vom Schachspielen faszinieren

Das gesamte Turnier war geprägt von einer äußerst angenehmen Atmosphäre. In etwas mehr als vier Stunden wurden sieben Runden Schnellschach reibungslos absolviert. Alle Jugendlichen verhielten sich über den gesamten Turnierverlauf hinweg ausgesprochen fair und sportlich. Erstaunlich war dabei vor allem die Ruhe im Turniersaal. Wer bislang glaubte, Kinder unter 14 Jahren könnten grundsätzlich keinen Geräuschpegel unter „Schulpause“ erzeugen, wurde während des Turniers in Mörlenbach eindrucksvoll widerlegt.

Spannende Kämpfe in den jüngeren Altersklassen

Stark besetzt war das gemeinsame Turnier der Altersklassen U12, U10 und U8 mit insgesamt 22 Teilnehmern. Über sieben Runden entwickelte sich ein spannender Wettbewerb mit vielen umkämpften Partien und mehreren engen Entscheidungen, die häufig erst in weit fortgeschrittenen Endspielen unter Ausnutzung der kompletten Bedenkzeit entschieden wurden.

Den Turniersieg sicherte sich schließlich Ayus Giri mit starken 6 Punkten aus 7 Partien. Lange sah es nach einem souveränen Durchmarsch des Youngsters vom Schachklub Bickenbach aus. In der letzten Runde musste er sich jedoch in einem spannenden Turmendspiel Kuladeep Reddy Paturu geschlagen geben. Nur einen halben Punkt dahinter folgten Marvin Menger vom Schachclub Lampertheim sowie Kuladeep Reddy Paturu vom Schachklub Bickenbach.d

Besonders bemerkenswert aus Sicht des Gastgebervereins war der Auftritt von Dmytro Skavinskyi. Der erst seit kurzer Zeit für die Freibauern spielende U10-Spieler trat an den Brettern mit einer Ernsthaftigkeit auf, als würde er bereits seit Jahren internationale Normturniere bestreiten. In fünf Partien überrollte er seine Gegner teilweise mit erstaunlicher Konsequenz. Während andere Kinder in seinem Alter gelegentlich noch Figuren einstellen, stellte Dmytro vor allem seine Gegner vor Probleme. Als bester U10-Spieler erreichte er am Ende einen hervorragenden vierten Platz im Gesamtklassement.

Dmytro in einem der Spitzenpaarungen im Einsatz gegen Marvin. In fünf von sieben Partien überrollte er seine Gegner förmlich und zeigte ein sehr fokussiertes und strukturier Auftreten.

Die Endstände der Spitzengruppe

1. Ayus Giri – 6,0 Punkte (Sieger U12-Wertung)

2. Marvin Menger – 5,5 Punkte

3. Kuladeep Reddy Paturu – 5,5 Punkte

4. Dmytro Skavinskyi – 5,0 Punkte (Sieger U10-Wertung)

5. Prithvik Vaitheeswaran – 4,5 Punkte

Die drei Erstplazierten der U12 Altersgruppe. Von links nach rechts Kuladeep, Marvin und Ayus. Dahinter der erste Vorsitzende der Freibauern, Alfred Bauer

Siegerehrung in der U12 Klasse: Alfred (hinten) kennt ihr schon. Dmytro (ganz rechts) war der beste seine Altersklasse an diesem Tag und belegte auch im Gesamtklassement einen sehr guten vierten Platz. Vorne in der Mitte der Zweitplatzierte Pritvik von der VSG 1880 Offenbach. Links davon Emil von der SK Bickenbach.

Auch dahinter zeigte sich ein sehr ausgeglichenes Teilnehmerfeld, in dem zahlreiche Partien erst nach langen und konzentrierten Kämpfen entschieden wurden. Besonders erfreulich war, mit welchem Ehrgeiz und gleichzeitig welcher Fairness selbst die jüngsten Teilnehmer an die Bretter gingen.

Zwei Freibauern im fairen Wettkampf. Aurel (links im Bild) erzielte in seinem allerersten Turnierauftritt sehr gute drei Punkte. Nico (rechts) kam auf zwei Punkte

Viele Kinder sammelten dabei nicht nur wichtige Turniererfahrung, sondern konnten auch erste Erfolge gegen stärker eingeschätzte Gegner feiern. Gerade diese Mischung aus sportlichem Wettbewerb, gegenseitigem Respekt und sichtbarer Begeisterung machte das Turnier erneut zu einer hervorragenden Werbung für den Jugendschachsport.1

Wiederum zwei Freibauern in einem direkten Aufeinandertreffen: Für Daniel (links) ist das nach 3 Jahren Schachtraining nicht das erste Turnier. Er kam mit 4 von 7 möglichen Punkten auf ein positives Score und zeigte in vielen Partien ein großes Kämpferherz. Amadeus (rechts) ist erst seit einigen Monaten bei den Freibauern; er besucht die Grundschule und hat das Schachspielen von seinem Vater bereits gut gelernt. Er bekam am Ende für seinen allererste couragierten Turnierteilnahme einen Sonderpreis der Veranstalter

Auch für Mattis (hinteres Brett, links) war das Turnier in Mörlenbach das allererste Schachturnier in seinem jungen Leben. Er spielte mutig und couragiert und wird hoffentlich am Schach noch viel Freude haben.

Spannende Partien auch bei den älteren Jugendlichen

Im gemeinsamen Turnier der Altersklassen U18, U16 und U14 gingen insgesamt zehn Jugendliche an den Start. Zwar blieb die Altersklasse U18 diesmal unbesetzt, dennoch entwickelte sich insbesondere im U16- und U14-Bereich ein spielerisch starkes Teilnehmerfeld mit vielen sehenswerten Partien.

Mit einer perfekten Ausbeute von 7 Punkten aus 7 Partien dominierte Luke Felgendreher vom gastgebenden Verein das Turnier scheinbar souverän und gab während des gesamten Wettbewerbs keinen einzigen Punkt ab. Ganz unverwundbar war allerdings auch Luke nicht. Vereinskollegin Nikol Kareva hatte ihn in einer Partie bereits bedenklich in die Defensive gedrängt und stand im Endspiel Dame gegen Turm objektiv auf Gewinn. Dann schlug jedoch der wohl erbarmungsloseste Gegner des Schnellschachs zu: die Uhr. Nikol verlor in Gewinnstellung durch Zeitüberschreitung!

Während Luke am Ende den Durchmarsch gelang, entwickelte sich ein spannender Kampf um die weiteren Spitzenplätze. Fabian Menger vom Schachclub Lampertheim belegte mit 6 Punkten den zweiten Rang, gefolgt von Myroslav Kostenko (SK Fürth) mit 5 Punkten. Den vierten Platz sicherte sich Jakob Müller von den Freibauern mit 4 Punkten. Fabian unterstrich mit seinem U14 Sieg die starke Leistungen in allen bisherigen drei Turnieren der Grand-Prix-Serie.

Die Endstände der Spitzengruppe
1. Luke Felgendreher – 7,0 Punkte
2. Fabian Menger – 6,0 Punkte
3. Myroslav Kostenko – 5,0 Punkte
4. Jakob Müller – 4,0 Punkte

Gerade in diesem Teilnehmerfeld zeigte sich die zunehmende Spielstärke vieler Jugendlicher sehr deutlich. Zahlreiche Begegnungen wurden mit großer Konzentration geführt und teilweise erst in komplizierten Endspielen entschieden. Trotz des sportlichen Ehrgeizes blieb der Umgang untereinander jederzeit respektvoll und fair, was von Betreuern und Zuschauern gleichermaßen positiv wahrgenommen wurde.

U16 Altersklasse: Luke in der Bildmitte dominierte, Miroslav (links) wurde in dieser Altersklasse Zweiter gefolgt von Jakob (rechts)

U14 Altersklasse: Fabian Menger vom SK Lampertsheim (zweiter von links) spielte erneut ein ganz starkes Turnier und wurde Erster in der U14 Klasse. Ilias Tsakogiannis und Felix Heidenreich vom SK Bickenbach belegten die weitern Podestplätze

Sonderpreise der Turnierleitung gingen an Malte Heideschmidt (links) von der SG Bensheim und Amadeus Heinze von den Freibauern (rechts). Malte ist ein Späteinsteiger, er besucht die 9. Klasse des Goethe-Gymnasiums in Bensheim. Schach war bis vor kurzem kein Thema für ihn. Zuvor hatte er noch nie eine Wettkampfpartie bei einem Turnier gespielt und zeigte trotzdem ein sehr couragiertes Auftreten. Auch für Amadeus war das Turnier in Mörlenbach der ersten Auftritt in seinem Leben. Er kämpfte entschlossen in jeder seiner sieben ersten Turnierschachpartien bis zur letzten Figur. Diese Grundhaltung wollten wir anerkennen.

Zwei Mädchen trauten sich am Ende den Jungs Paroli zu bieten: Akshara (SK Bickenbach, links) belegte in den U12 Altersklassen einen sehr guten siebten Gesamtplatz und zeigte bereits sehr reife Schachanlagen. Nikol (Freibauer Mörlenbach-Birkenau) brachte bei den älteren Jugendlichen manche Jungs ins Schwitzen. Leider verlor sie einige Partien trotz Gewinnstellungen durch Zeitüberschreitungen, aber das lässt sich in zukünftigen Turnieren verbessern.

Dank an Gemeinde Mörlenbach, allen Helfern und Eltern

Ein besonderer Dank gilt der Gemeinde Mörlenbach sowie dem Team des Bürgerhauses, das die großzügigen Räumlichkeiten zur Verfügung stellte und auch an einem Samstag für optimale Rahmenbedingungen sorgte. Die Infrastruktur vor Ort bot beste Voraussetzungen für einen gelungenen Turniertag.

Auch die Preisen konnten im Vorfeld rechtzeitig besorgt werden; dank der Vorarbeiten von Aljoscha Hauck konnten goldene, silberne und bronzene Pokale unkompliziert bestellt werden. Zusätzlich stellte der Bensheimer Schachclub weitere Pokale günstig zur Verfügung, sodass es auch für Sonderpreise reichte.

Sehr wichtige Detailarbeit war von anderen nicht unmittelbar im Vordergrund stehenden Personen geleistet worden. Das Turnier lief erstaunlich ruhig und sehr schnell ab. Möglich gemacht hatten das Christian Böhmer, Aljoscha Hauck und Heiko Schneider. Christian hatte im Vorfeld die Lizenz für eine neue Turniersoftware rechtzeitig erwerben können, so dass es den drei möglich war, diese neue Version zu testen. Ihr großer Vorteil ist, dass nicht nur Rundenpaarungen sehr schnell und übersichtlich erzeugt werden können. Bereits kurz nach der Ergebniseingabe waren diese im Internet auf der gängigen Schachergebnissseite www.chess-results.com sichtbar. Eine solche Transparenz und Geschwindigkeit war Premiere beim Schachclub.
Aljoscha hatte ferner seine persönliche Ausrüstung für 3 Tage zur Verfügung gestellt, u.a. bestehend aus Laptop und Drucker, die sich für die Turnierdurchführung bewährten. Heiko lieferte als Turnieradministrator ein Glanzstück den ganzen Tag über. Innerhalb weniger Minuten waren Ergebnisse eingetragen und neue Runden ausgelost, ohne dass es zu nennenswerten Verzögerungen kam. Nur ein einziges Mal hatten wir in der ersten Runde ein Problem, als wir versehentlich einen Spieler ausgelost hatten, der ohne Entschuldigung trotz Voranmeldung nicht zum Turnier erschienen war. Heiko löste dieses und alle anderen Probleme souverän. Sein Platz war oft von vielen Jugendlichen umringt.

Heiko Schneider (sitzend) als Turnieradministrator war nicht der einzige an diesem Tag, der sich über eine gut laufende Software freute, die Christian im Vorfeld lizenziert und eingerichtet hatte.

Großen Anteil am gelungenen Gesamteindruck hatten außerdem mehrere engagierte Elternpaare, die im Vorfeld Muffins und Kuchen gebacken hatten. Das Angebot wurde von Spielern, Eltern und Besuchern hervorragend angenommen und war am Ende nahezu vollständig verkauft. Gemeinsam mit den Einnahmen aus Getränken und Startgeldern konnte sogar ein kleiner Überschuss erzielt werden, der nun der weiteren Vereins- und Jugendarbeit zugutekommt.

Ohne so gut engagierte Eltern hätten wir unser Turnier nicht durchführen können. Eltern sind ein wesentlicher Bestandteil, wenn Kinder und Jugendliche im Sport vorankommen wollen. Das wird leider zu oft übersehen, welchen Einsatz solche Eltern für ihren Nachwuchs aufbringen.



Für das leibliche Wohl standen zudem frisch eingekaufte Getränke, Wasser, Apfelsaftschorle sowie Kaffee bereit. Besonders positiv aufgenommen wurde die neue Kaffeemaschine, die die legendäre alte blaue Maschine ablöste, deren Betriebsgeräusche bislang irgendwo zwischen startendem Mähdrescher und kleinem Baustellenkompressor einzuordnen waren. Ein kleiner organisatorischer Wermutstropfen blieb allerdings dennoch: Ein Teil der ausgegebenen Apfelsaftschorle hatte das Mindesthaltbarkeitsdatum bereits überschritten. Immerhin konnten wir damit unfreiwillig beweisen, dass Schachspieler offenbar deutlich robuster sind als gedacht. Gesundheitliche Schäden wurden glücklicherweise keine bekannt — vermutlich konserviert Schach ausreichend.

Nach mehr als vier Stunden Schnellschach, dutzenden Endspielen, mehreren Litern Kaffee und fast restlos vernichtetem Kuchenbuffet blieb am Ende vor allem eines hängen: Jugendschach in der Bergstraße lebt — und zwar ziemlich munter.

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jetzt noch Details zu beiden Turnieren:

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