Tag 2 der OIBM – der Übergang in die Turnierroutine

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. War das nicht Johann Wolfgang Goethe, der das so beschrieb? Auch der Start in ein mehrtägiges Schachturnier unterscheidet sich stark von den darauffolgenden Tagen. Wenn wir uns jetzt an die Bretter setzen, wissen wir in der Regel schon Stunden vorher gegen wen wir am heutigen Tag treffen. Christian und ich haben dann natürlich nach allen Partien des Gegners geschaut, die öffentlich, also in den Datenbanken verfügbar sind. Und wir betreiben mittlerweile beide eine Vorbereitung in einer Mischung aus KI-gestützten Gegneranalysen und eigener Kopfarbeit. In der ersten Runde ist das ganz anders. Obwohl das Teilnehmerfeld schon Stunden vorher „eingelockt“ ist, werden die Paarungen erst wenige Minuten vor dem Turnierstart öffentlich gestellt. Da bleibt eigentlich keine Zeit mehr für Vorbereitung und man muss das spielen, was man kann oder nicht kann.

Gestern am zweiten Tag der offenen bayrischen Meisterschaften war dann zum ersten Mal eine Runde mit Vorbereitung. Es wäre nicht angebracht, jetzt hier offenzulegen, wie gut sich die Vorbereitung dann wirklich bewährte. Mein Gegner hatte „Dunkelphasen“ in seinem „Schachlebenslauf“. In seinem Falle sind das Phasen, in denen er bei Mannschaftswettkämpfen und Turnieren mitspielt, deren Partien nicht erfasst werden. Dann sieht man in der Vorbereitung nur, wie sich die ELO und DZW Wertung des Spielers geändert hat, ohne die Partien dahinter zu kennen. Das kann natürlich den Wert einer Vorbereitung stark eingeschränken. In meinem Fall war das so, aber mehr dazu später.

Zuerst zu Christian. Wir hoffen natürlich, dass möglichst viele von Euch gestern ab 16:00h an den Bildschirmen geklebt haben, und auf einem der online-Platformen seine Partie live mitzuverfolgen. Er hatte einen nominell starken Gegner und erreichte am Ende ein Unentschieden mit einem lachenden und weinenden Auge. Einerseits ist ein Remis gegen einen solchen Gegner natürlich ein Erfolg; andererseits stellte sich bei der nachträglichen Schnellanalyse abends beim Essen heraus, das nur Christian zur Partie beigetragen hatte und bis kurz vor Ende sich ein klar bessere Stellung erarbeitet hatte. Erst gewinnt er eine Qualität. Dann opferte er wieder „aus Versehen“ diese Qualität zurück. Der Gegner geht auf Nummer Sicher und tauscht die Türme. Auf dem Brett verbleiben ungleichfarbige Läufer

Nun zu meiner Partie, die ihr nicht live verfolgen konntet. Es war nervenaufreibend, irgendwann stand das Brett in Flammen. War ich anfangs noch sicher, dass ich besser stehen musste und am Drücker war, wurde ich immer unsicherer, quasi nach jedem unerwarteten (und nicht berücksichtigten) Gegnerzug. Am Ende stand ein etwas glücklicher, aber insgesamt nicht unverdienter Erfolg.

Was soll ich sagen? Nach der Partie waren mein Gegner und ich „Fix und Foxi“. Beide hatten wir viel Zeit, Kraft und Energie in die Partie gesteckt und „volle Pulle“ gespielt. Wenn man gewinnt, erscheint die ganze Welt im rosigen Licht. Aber auch, wenn ich nicht gewonnen hätte, hätte ich zumindestens eine sehr schöne Partie gespielt. Aber: Das Turnier ist ein Marathon und wir sind gerade bei „KM2“ von insgesamt neun Kilometer. Stay tuned!

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