Manchmal kann ich kaum an Zufall glauben. Kaum war mein Blick auf unseren Titel 50 Jahre zurück „Das verpasste Jubiläum“ 1975 online, meldete sich unerwartet einer der damaligen Weggefährten von 1975 über Christian Böhmer, unserem emsigen Internetkurator: Uwe Ernstmeier. Uwes Antwort-Email ist eine Mischung aus Humor und präzisem Gedächtnis und sie korrigiert und ergänzt einige meiner Erinnerungen auf sehr sympathische Weise. Uwe bringt noch folgende Ergänzungen bzw. Änderungen ins Gesamtbild ein:
Mörlenbach spielte damals fest in folgender Aufstellung:
Brett-1 Christian Weber (und nicht Günther Heidl)
Brett-2 Günther Heidl
Brett-3 Armin Wolf
Brett-4 Paulus Wohlfart
Augustinus (Wohlfart) und und Uwe spielten keine einzige Partie, waren aber vor Ort. Augustinus war möglicherweise zu diesem Zeitpunkt als Schüler nicht mehr spielberechtigt. Im Gegensatz zu heute mit den Einteilungen U8, U10, U12, U14, U16 und U18, gab es damals nur zwei Kategorien: Schüler (entsprechend in etwa U14) und Jugend (entsprechend alles, was unter U18 war). Uwe war als Ersatz vorgesehen, meinte jedoch im Nachhinein, dass er Schnellpartien bevorzugt auf Zeit verlor. Die 15 Minuten bei der Hessenmeisterschaft waren überhaupt nicht sein Ding. Entsprechend war er auch niemanden gram, dass er nicht zum Einsatz kam. Diese Aufstellung wurde im Turnier wurde nicht geändert. Es stand nur kurz mal im Raum, dass Uwe Christian ersetzen sollte, weil der den Trainer (Karl Heinz Wohlfart) heftig verärgert hatte. Und das kam so:
Beim Vorrundenspiel gegen den großen Favoriten Frankfurt Nordwest hatte es Christian am Spitzenbrett mit einem Gegner zu tun, der ihn völlig überrollte. Der Gegner war möglicherweise Harald Bletz, Bernd Röschlau oder Holger Körner. Es gab nach der Vorrunde eine Finalrunde und wiederum trafen wir auf Frankfurt-Nordwest. Am Spitzenbrett sah es wieder nach der gleichen Spielerpaarung aus. Karl Heinz Wohlfart gab daraufhin Christian mit, er solle versuchen, möglichst schnell Remis zu machen. Das passierte auch. Allerdings hatten die Frankfurter ihre Aufstellung an Brett 1 und Brett 2 getauscht. Christian remisierte schnell gegen einen eigentlich nicht übermächtigen Gegner und Günther an Brett 2 wurde von der Frankfurter #1 Maschine ähnlich wie Christian in der Vorrunde, einfach überholt. Da Armin Wolf in diesem Wettkampf ebenfalls (aber wirklich nur ausnahmsweise) verlor, ging dieser vorentscheidende Wettkampf mit 1,5:2,5 verloren und wir hatten eigentlich keine Chance auf den Titel mehr. Mein Vater war so erbost über das Remis gegen den falschen Gegner, dass er Christian aus dem Team nehmen wollte. Was er sich allerdings kurz vor der nächsten Runde wieder anders überlegte.
Dann passierte jedoch zu unserem Glück das kleine Wunder, die klar favorisierten Frankfurter verloren in der letzten Runde völlig überraschend gegen den SC Goddelau und wir holten am Ende den Titel, nur weil wir dank der etwas besseren Brettpunkte (wegen irgendwelcher 100%-Typen) knapp vorne lagen:
Uwe und ich teilen sich die Erinnerung, das wir in den beiden Folgejahren dann ähnlich erfolgreich waren, auch Dank der 100% eines Armin Wolfs im Jahr 1976 bei unserem Titel in Jugendmannschafts-hessenmeisterschaft. Wie es nach 1977 weiterging, und ob wirklich Schluss gewesen war, weil Spieler von uns zu alt waren, bleibt im Nebel.
Uwes Ergänzungen und Korrekturen zeigen eindrucksvoll, wie stark Mannschaftsschach kollektiv die Erinnerungen prägen kann. Mit etwas Abstand wird sichtbar, dass nicht nur Partien und Ergebnisse zählen, sondern auch Geschichten, Spitznamen, Streitigkeiten über Remisangebote. Wenn in Mörlenbach-Birkenau heute Jugendliche und Kinder im Verein Schach lernen, dann stehen sie – bewusst oder unbewusst – auch auf den Schultern der „goldenen“ Generation von 1975 bis 1979. Es wäre schön, wenn sich eine neue Schülermannschaft oder Jugendmannschaft fände, die 2026 und den folgenden Jahren wieder in Hessen oder darüber hinaus auf Kaperfahrt geht! Und 2026 steht noch ein weiteres Jubiläum an: 50 Jahre ist es her, dass eine Jugendmannschaft eines unserer beiden Vorläufervereine zum erstenmal in der kombinierten Vereinsgeschichte die beste Jugendmannschaft in Hessen stellte! Wer feiert mit?

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